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Visual Basic 2005 von Andreas Kühnel
Das umfassende Handbuch
Buch: Visual Basic 2005

Visual Basic 2005
1.233 S., mit 2 CDs, 59,90 Euro
Galileo Computing
ISBN 3-89842-585-1
gp Kapitel 9 Fehlerbehandlung und Debugging
  gp 9.1 Die Behandlung von Laufzeitfehlern
    gp 9.1.1 Laufzeitfehler erkennen
    gp 9.1.2 Die Behandlung von Exceptions
    gp 9.1.3 Die »Try ... Catch«-Anweisung
    gp 9.1.4 Behandlung mehrerer Exceptions
    gp 9.1.5 Die »Finally«-Anweisung
    gp 9.1.6 Das Weiterleiten von Ausnahmen
    gp 9.1.7 Die Hierarchie der Exceptions
    gp 9.1.8 Die Reihenfolge der »Catch«-Klauseln
    gp 9.1.9 Die Basisklasse »Exception«
    gp 9.1.10 Benutzerdefinierte Exceptions
  gp 9.2 Debuggen mit Programmcode
    gp 9.2.1 Einführung
    gp 9.2.2 Die Klasse »Debug«
    gp 9.2.3 Die Klasse »Trace«
    gp 9.2.4 Ablaufverfolgung mit »TraceListener«-Objekten
    gp 9.2.5 Steuerung der Protokollierung mit Schaltern
    gp 9.2.6 Bedingte Kompilierung
  gp 9.3 Debuggen mit dem Visual Studio 2005
    gp 9.3.1 Debuggen im Haltemodus
    gp 9.3.2 Das »Befehlsfenster«
    gp 9.3.3 Weitere Alternativen, um Variableninhalte zu prüfen
  gp 9.4 Das Objekttestcenter (Object Test Bench – OTB)


Galileo Computing

9.3 Debuggen mit dem Visual Studio 2005  downtop

Unter dem Begriff Debugging ist die Suche nach Fehlern in einem Programm zu verstehen. Sie müssen ein Programm debuggen, wenn es nicht so funktioniert, wie Sie es sich vorgestellt haben, oder wenn es falsche Ergebnisse liefert. Die Ursache für das Fehlverhalten kann das Debuggen liefern.

Das Visual Studio 2005 unterstützt das Debuggen sowohl von lokalen als auch von entfernten .NET-Anwendungen. Da wir uns in diesem Buch nur mit lokalen Anwendungen beschäftigen, schenken wir dem Remote Debugging von entfernten Anwendungen keine Beachtung.

Der Debugger kann nur zur Laufzeit eines Programms benutzt werden. Darüber hinaus muss das Programm auch noch angehalten sein. Hier gibt es drei verschiedene Möglichkeiten:

1. Die Laufzeit der Anwendung erreicht einen Haltepunkt.
       
2. Die Anwendung führt die Methode Break der Klasse System.Diagnostics.Debugger aus.
       
3. Es tritt eine Ausnahme auf.
       

Galileo Computing

9.3.1 Debuggen im Haltemodus  downtop

Auf der linken Seite des Codeeditors ist ein grauer, vertikaler Balken zu sehen. Dieser dient nicht dazu, die Optik des Codefensters zu verbessern, sondern in bestimmten Codezeilen Haltepunkte zu setzen. Dazu klicken Sie mit der Maus auf den grauen Balken. Alternativ können Sie auch den Cursor in die Zeile setzen, der ein Haltepunkt hinzugefügt werden soll, und dann die Taste (F9) drücken. Haltepunkte können jeder Codezeile hinzugefügt werden, die eine Programmanweisung enthält. Ein roter Kreis symbolisiert den Haltepunkt, der beim Anklicken und durch die (F9)-Taste wieder entfernt wird.

Trifft die Laufzeit auf einen Haltepunkt, hält der Debugger an dieser Stelle die Programmausführung an. Die mit dem Haltepunkt gekennzeichnete Codezeile ist in diesem Moment noch nicht ausgeführt. Im Haltemodus können Sie einzelne Variableninhalte untersuchen, ändern oder den Programmcode in gewünschter Weise fortsetzen. Dabei werden Sie auch von mehreren Fenstern des Debuggers unterstützt: Überwachen, Lokal und Auto.

Um ein unterbrochenes Programm fortzusetzen, haben Sie mehrere Möglichkeiten: über das Menü Debuggen, die gleichnamige Symbolleiste (diese wird standardmäßig nicht angezeigt und muss gegebenenfalls der Entwicklungsumgebung hinzugefügt werden) und diverse Tastenkürzel.

gp  Befindet sich die Laufzeit einer Anwendung im Haltemodus, können Sie die weitere Programmausführung wie folgt beeinflussen:
gp  Einzelschritt Der Programmcode wird Zeile für Zeile ausgeführt. Das Tastaturkürzel dafür ist (F11). Mit (F11) wird auch in einer aufgerufenen benutzerdefinierten Methode jede Codezeile einzeln ausgeführt.
gp  Prozedurschritt Der Programmcode wird weiterhin in Einzelschritten ausgeführt. Stößt er jedoch auf den Aufruf einer benutzerdefinierten Methode, wird diese sofort vollständig ausgeführt. Das Tastaturkürzel ist (F10).
gp  Ausführen bis Rücksprung Die aktuelle Methode wird bis zu ihrem Ende sofort ausgeführt. Danach wird der Haltemodus wieder aktiviert. (Umschalt) + (F11).

Variableninhalte in einem QuickInfo-Fenster

Um sich den aktuellen Zustand einer Variablen anzeigen zu lassen, fährt man im Haltemodus mit dem Mauszeiger auf den Variablenbezeichner. Der Inhalt einschließlich einer kleinen Beschreibung wird daraufhin in einem QuickInfo-Fenster angezeigt. Wenn Sie daran interessiert sind, sich die Inhalte im Hexadezimalformat anzeigen zu lassen, gibt es dazu in der Symbolleiste Debuggen eine entsprechende Schaltfläche.

Im QuickInfo-Fenster können Sie sogar die Möglichkeit wahrnehmen, den Inhalt der Variablen zu verändern.

Bedingte Haltepunkte

Die im vorhergehenden Abschnitt beschriebenen Haltepunkte unterbrechen in jedem Fall die Programmausführung, weil sie an keine Bedingungen gebunden sind. Der Debugger ermöglicht aber auch die Festlegung von Haltepunkten, die eine Anwendung nur dann in den Haltemodus setzen, wenn bei Erreichen des Haltepunkts bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Um eine Bedingung festzulegen, gehen Sie mit dem Cursor in die Codezeile des betreffenden Haltepunkts, öffnen das Kontextmenü und wählen Haltepunkt N Bedingung... Das Fenster, das sich daraufhin öffnet, sehen Sie in Abbildung 9.7.

Abbildung
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Abbildung 9.7     Festlegen einer Haltepunktbedingung

Legen Sie nun die Bedingung fest, unter welchere der Haltepunkt zur Laufzeit berücksichtigt werden soll. In der Abbildung wäre das genau dann der Fall, wenn die Variable intVar einen Wert kleiner 8 aufweist. Ist intVar gleich oder größer 8, wird das laufende Programm in dieser Codezeile nicht unterbrochen.

Alternativ kann auch das Optionsfeld Hat sich geändert markiert werden. Der Debugger prüft dann zuerst, ob sich der Wert der Variablen seit dem letzten Erreichen des Haltepunktes geändert hat. Wenn dies der Fall ist, ist die Bedingung erfüllt, und das Programm wird unterbrochen.

Haltepunkt mit Trefferanzahl aktivieren

Im Kontextmenü können Sie sich auch für die Option Trefferanzahl... entscheiden. Wenn für einen Haltepunkt keine Trefferanzahl angegeben wurde, wird das Programm immer unterbrochen, wenn der Haltepunkt erreicht wird oder die definierte Bedingung erfüllt ist. Die Festlegung der Trefferanzahl bietet sich zum Beispiel an, wenn die Anzahl der Schleifendurchläufe festgelegt werden soll, bis der Haltepunkt aktiv wird. Ist eine Vorgabe getroffen, wird die Ausführung nur bei Erreichen der Trefferanzahl unterbrochen.

Aus einem Kombinationslistenfeld können Sie eine der vier angebotenen Einstellungen wählen (siehe Abbildung 9.8).

Abbildung
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Abbildung 9.8     Festlegen der Trefferanzahl

Verwalten der Haltepunkte

Die Eigenschaften aller Haltepunkte kann man sich im Haltepunktfenster anzeigen lassen. Wählen Sie dazu das Menü Debuggen N Fenster N Haltepunkte. Dieses Fenster ist als Verwaltungstool sehr nützlich, um sich einen Überblick über alle gesetzten Haltepunkte zu verschaffen, die Bedingungen jedes einzelnen zu überprüfen und gegebenenfalls auch zu verändern. Können oder wollen Sie zum Testen einer Anwendung auf einen oder mehrere Haltepunkte verzichten, entfernen Sie einfach das Häkchen vor dem entsprechenden Haltepunkt. Im Codeeditor ist die zu diesem Haltepunkt gehörende Kreisfläche danach nicht mehr farblich ausgefüllt, sondern nur noch als Kreis erkennbar. Die deaktivierten Haltepunkte lassen sich später wieder aktivieren, ohne dass die eingestellten spezifischen Eigenschaften verloren gehen.

Abbildung
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Abbildung 9.9     Die Liste aller Haltepunkte


Galileo Computing

9.3.2 Das »Befehlsfenster«  downtop

Das Befehlsfenster wird für Debug-Zwecke, das Auswerten von Ausdrücken, das Ausführen von Anweisungen, das Drucken von Variablenwerten usw. verwendet. Er ermöglicht die Eingabe von Ausdrücken, die von der Entwicklungssprache während des Debuggens ausgewertet oder ausgeführt werden sollen. Um das Befehlsfenster anzuzeigen, wählen Sie im Menü Ansicht N Weitere Fenster und dann Befehlsfenster.

Welche Möglichkeiten sich hinter dem Befehlsfenster verbergen, sollten wir uns an einem Beispiel verdeutlichen. Zu Demonstrationszwecken bedienen wir uns des folgenden Programmcodes:


Module Module1
Sub Main()
Dim x As Integer = 10
Dim y As Integer = 23
Dim z As Integer = x + y
Console.Write(z)
End Sub
Sub DebugTestProc()
Console.WriteLine("In DebugTestProc")
End Sub
End Module

Operationen im Befehlsfenster setzen den Haltemodus voraus. Daher legen wir einen Haltepunkt in der Codezeile


Dim z As Integer = x + y

fest. Nach dem Starten des Projekts stoppt das Programm die Ausführung am Haltepunkt. Sollte das Befehlsfenster in der Entwicklungsumgebung nicht angezeigt werden, müssen Sie es noch öffnen. Sie können nun im Befehlsfenster


? x

eingeben, um sich den Inhalt der Variablen x anzeigen zu lassen. Das Fragezeichen ist dabei notwendig. Ausgegeben wird im Befehlsfenster der Inhalt 10.

Vom Befehlsfenster können Sie durch Eingabe von


immed

in das Direktfenster wechseln. Das Wechseln vom Direkt- zum Befehlsfenster erfolgt mit dem Kommando cmd.

Während im Befehlsfenster der Operator »=« immer als Vergleichsoperator dient, wird der »=«-Operator im Direktfenster als Zuweisungsoperator interpretiert. Wenn Sie Lust haben, können Sie den Inhalt einer Variablen zu Testzwecken aus dem Direktfenster heraus ändern. Dazu geben Sie


x = 250

ein. Lassen Sie danach den Code ausführen, wird an der Konsole der Inhalt von z zu 273 berechnet und nicht, wie ursprünglich zu vermuten gewesen wäre, zu 33. Die Änderung einer Variablen im Direktfenster wird also von der Laufzeit berücksichtigt.

Sogar die Methode DebugTestProc können wir auch aus dem Direktfenster heraus aufrufen. Dazu geben wir nur


DebugTestProc()

ein.


Galileo Computing

9.3.3 Weitere Alternativen, um Variableninhalte zu prüfen  toptop

Logische Fehler basieren darauf, dass Variablen unerwartete Inhalte aufweisen, der Programmcode aber syntaktisch richtig ist. Das Direkt- bzw. Befehlsfenster ist eine Möglichkeit, Variablen zu prüfen, die jedoch nicht sehr komfortabel ist, wenn der Programmcode eines größeren Projekts untersucht werden muss. Visual Studio stellt aber mehrere weitere Alternativen zur Verfügung, die noch bessere und detailliertere Informationen bereitstellen. Allen Alternativen ist gemein, dass sie nur im Haltemodus geöffnet werden können. Sie können dazu das Menü Debuggen N Fenster benutzen, teilweise auch das Kontextmenü des Codeeditors. Die Variableninhalte lassen sich, wie auch im Befehlsfenster, verändern, um beispielsweise das Laufzeitverhalten der Anwendung in Grenzsituationen zu testen.

Das »Lokal«-Fenster

Dieses Fenster enthält alle Variablen mit Namen, Wert und Typ, die in der aktuellen Methode definiert sind. Variablen, die sich zwar im Gültigkeitsbereich einer Methode befinden, aber außerhalb deklariert sind, werden nicht vom Lokal-Fenster erfasst (siehe Abbildung 9.10).

Das »Überwachen«-Fenster

Sie können ein Überwachungsfenster öffnen und die Variablen angeben, die vom Debugger überwacht werden sollen. Um eine Variable einem Überwachungsfenster zuzuordnen, markieren Sie die entsprechende Variable und wählen im Kontextmenü Überwachung hinzufügen. Wollen Sie weitere Variablen überwachen lassen, können Sie diese auch manuell eintragen oder ebenfalls über das Kontextmenü der Variablen hinzufügen (siehe Abbildung 9.11).

Abbildung
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Abbildung 9.10     Das »Lokal«-Fenster

Abbildung
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Abbildung 9.11     Das Fenster »Überwachen«

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